Zur Mehrwertsteuersenkung 2026
Seit dem 1.1.2026 gilt in der Gastronomie die reduzierte Mehrwertsteuer von 7% auf Speisen. Wir werden diese Senkung nur teilweise in die Preise einfließen lassen können, denn das meiste wird aufgrund der gleichzeitig stattfindenen Mindestlohnerhöhung ins Personal sowie in die stark beschädigte Rentabilität des Tagesgeschäfts gesteckt werden müssen. Das mag Sie überraschen, denn das Botanico ist ja fast immer ausgebucht. Ich möchte Ihnen das gerne einmal kurz erklären:
Wenn wir den für 2026 geplanten Mischsteuersatz von 11% ansetzen (19% für Getränke und 7 % für Speisen), dann kommen wir gerade so mit Ach und Krach auf eine schwarze 0. Hier die einzelnen Kostenpunkte in Prozent vom zu erwirtschaftenden Umsatz:
Wie Sie im Modell sehen, werden Kosten und Einnahmen beim reduzierten Mehrwertsteuersatz gleich hoch sein. Der Gewinn wäre 0%. Beim derzeit noch erhöhten Satz von derzeit 19% liegt der tatsächliche Verlust bei 8 %, also genau so hoch, wie die geplante Steuersenkung. Zur Erläuterung hier ein konkretes Ergebnis für einen durchschnittlichen Tag im Botanico 2025:
In diesem durchschnittlichen Tagesergebnis haben wir demnach etwas über 8% Verlust gemacht. Bei einem durchschnittlichen Umsatz pro Gast von 35 € benötigen wir demnach 57 Gäste pro Tag (57 x 35 €=1995 €), um überhaupt auf 2000 € Umsatz zu kommen. Das ist bei einem Restaurant mit 40 Plätzen schon eine Herausforderung, denn wir können ja nicht jeden Platz doppelt besetzen. Da wir auch die Anzahl der Plätze nicht noch weiter erhöhen können, blieb uns nichts anderers übrig, als unsere Preise zu erhöhen. Das haben wir schweren Herzens getan. Aber was ist dann passiert? Sind Gäste fern geblieben, weil wir zu teuer geworden sind? Nein, das Botanico ist immer noch sehr gut besucht - aber der Umsatz pro Gast ist nicht gestiegen, sondern genau gleich geblieben: denn unsere Gäste kommen weiterhin zu uns, aber trinken ein Glas Wein weniger oder teilen sich die Vorspeise. Völlig verständlich, denn 35 € sind eine Menge Geld. Wir nehmen also trotz höherer Preise und gleichbleibender Besucherzahlen nicht mehr Geld ein, während die Kosten für Personal, Zutaten und Energie kontinuierlich gestiegen sind.
Wir erzählen das, um zu erklären, warum wir nur einen kleinen Teil der Steuersenkung an unsere Gäste werden weitergeben können. Es wird das ein oder andere günstige Gericht etwas verbilligt werden, aber dafür werden andere Gerichte ihren Preis behalten müssen oder sogar teurer werden. Für Getränke wird das sowieso gelten, denn die behalten ja den Steuersatz von 19%.
Wir sind jedenfalls voller Hoffnung, dass sich das Botanico (neben vielen anderen engangierte Restaurants in Berlin) durch die Steuersenkung im nächsten Jahr wirtschaftlich konsolidieren wird, und dass wir weiterhin nachhaltige Produkte in bester Qualität zu einem Preis anbieten können, den sich alle zumindest ab und zu leisten können. Und dass weiterhin so viele nette, begeisterte und liebenswürdige Gäste zu uns kommen, wie Sie und viele andere. Danke dafür!